Zirkus macht stark

Der Zugang zu guter Bildung ist ein entscheidender Schlüsselfaktor für die individuelle Entwicklung eines Menschen.

Um auch bildungsbenachteiligten Kindern und Jugendlichen ein gutes Rüstzeug mit auf ihren Bildungsweg zu geben, unterstützt das Bundesministerium für Bildung und Forschung seit 2013 mit dem Programm „Kultur macht stark“ deutschlandweit lokale Bündnisse für Bildung. Zu den in der ersten und zweiten Förderperiode ausgewählten Verbänden gehört auch der bundesweit tätige Verein „Zirkus macht stark – Zirkus für alle“, der 2012 gegründet wurde.

Das Konzept von „Zirkus macht stark“ beruht auf dem Prinzip der Zirkuspädagogik, speziell des Sozialen Zirkus. Durch ihre Attraktivität und die Vielfalt der artistischen Disziplinen unter Einbeziehung anderer Kunstformen und eigenständiger Jugendkulturen sind zirkuspädagogische Angebote in besonderem Maße geeignet, bildungsbenachteiligte Kinder und Jugendliche zu erreichen und zu integrieren. Die Artistik als Mischung von sportlich-körperlicher Betätigung und künstlerischer Kreativität spricht auch jene Zielgruppen an, die anderen Kunstformen und der formalen Bildung eher abwartend bis ablehnend gegenüber stehen. Nicht die Bewältigung von Defiziten steht im Vordergrund, sondern die Herausarbeitung und ideenreiche Förderung von individuellen Stärken.

Zielgruppe der Zirkusarbeit sind bildungsbenachteiligte Kinder und Jugendliche vorrangig im Alter von 9 bis 15 Jahren sowohl im urbanen wie im ländlichen Raum. Ziele der Vorhaben sind die Entwicklung und Stärkung sozialer und personaler Kompetenzen und die Unterstützung des interkulturellen Integrationsprozesses. Das gemeinsame künstlerische Schaffen ermöglicht die Erfahrung von Selbstwirksamkeit, also die Erfahrung, nützlich und kompetent zu sein. Die teilnehmenden Kinder und Jugendlichen erhalten umfassende Gelegenheiten, den Projektverlauf, die konkreten Themen und die künstlerische Arbeit im Projekt mitzugestalten. Die Beschäftigung mit den artistischen Disziplinen fördert ein selbstbestimmtes, zielgerichtetes Lernen. Ein prägender Bestandteil der Zirkuspädagogik ist die Inklusion als Wertschätzung der Verschiedenartigkeit, die beispielsweise dazu beiträgt, Geflüchteten ihre Integration zu erleichtern.
Zirkusmachen erfordert keine besonderen Voraussetzungen, trotz des niedrigschwelligen Ansatzes werden künstlerische Leistungen erzielt, welche die Zuschauer*innen begeistern und die Akteur*innen bestätigen. Die öffentliche Präsentation der erlernten Fähigkeiten in den Abschlussaufführungen stellt ein Erfolgserlebnis dar und bestätigt die Teilnehmenden in ihrem Selbstwertgefühl.
Voraussetzung für eine qualitativ hochwertige zirkuspädagogische Arbeit mit der Zielgruppe sind die Kompetenzen der Anleiter*innen sowohl in pädagogischer wie in artistischer Hinsicht. Einen hohen Anteil am Gelingen eines Projekts haben Ehrenamtliche, die die Fachkräfte in vielfältiger Weise unterstützen. Die Weiterbildung und Qualifizierung von Ehrenamtlichen fördert ihre langfristige Bindung an die Projekte und ihr Engagement erheblich.