Best Practice

Interdisziplinäre Zirkuskurse in Dresden


Unter dem Titel „Step in“ boten 2018 in Dresden zwei interdisziplinäre Zirkuskurse einheimischen und geflüchteten Kindern und Jugendlichen aus zwei Erstaufnahmeeinrichtungen die Möglichkeit, im spielerischen Zugang zu verschiedenen Kunstformen Erlebtes zu verarbeiten. Die Projekte wurden veranstaltet von einem Bündnis für Bildung, das sich zusammensetzte aus dem Kulturladen Dresden e.V., der 102. Grundschule in Dresden-Johannstadt, dem Theaterhaus Rudi, dem Verein Sport und Jugend Dresden e.V. und der European Homecare GmbH als Erstaufnahmeeinrichtung für Geflüchtete und Asylbewerber. Insbesondere den in der Erstaufnahmeeinrichtung lebenden Kindern ermöglichten die Projekte positive Zuwendung, Ablenkung, altersgerechte Spiel- und Lernangebote und soziales Training. Ein Team von Pädagogen aus den Bereichen Zirkus, Tanz, Theater, Musik und Kunst sowie mehrere Ehrenamtliche boten den Teilnehmenden einen geschützten Raum, in dem sie spielerisch verschiedene künstlerische Techniken entdecken konnten. Das vorwiegend niedrigschwellige Angebot ermöglichte allen Kindern und Jugendlichen verschiedene Zirkusdisziplinen kennenzulernen., die im Verlauf der Projekte aufeinander aufbauten bzw. sich ergänzten. Dabei konnten individuelle Stärken und Selbstbewusstsein entwickelt werden, die Wahrnehmung und das Körpergefühl gefördert werden, es konnten Kontakte und Freundschaften geknüpft und das soziale Miteinander geübt werden. Außerdem wurde für die geflüchteten Kinder ein erster Zugang zur deutschen Sprache und Kultur vermittelt.

Foto: Bernhard Fürst

„Lebenswelten unter der Zirkuskuppel“ beim Campus Berlin-Treptow


Beim Projekt „Lebenswelten unter der Zirkuskuppel“ wurde 2018 auf dem Standort CABUWAZI Treptow in vier Kursen Artistik mit Schattentheater, Percussion, Tanz und Videoinstallationen verbunden. Mit den zirkuspädagogischen Angeboten, die auch tanz-, musik- und theaterpädagogische Elemente einschließen, wurde die ganzheitliche Entwicklung gefördert. Im Vordergrund standen die Entfaltung und Stärkung individueller artistisch-sportlicher, künstlerisch-ästhetischer sowie sozialer Befähigungen und Begabungen der Teilnehmenden. Einer der Kurse war ein Schattentheater „Von der Raupe zum Schmetterling“, in dem ausgehend von der faszinierenden Entwicklung einer Raupe Veränderungen in unseren Lebenswelten, die Entwicklung des Einzelnen zu etwas scheinbar völlig Neuem künstlerisch gestaltet wurden. Ein weiterer Kurs stand unter dem Thema „Bienenleben in der Stadt“, das sinnbildlich für das überraschende, nicht erwartete vielfältige Leben in einer Stadt stand. In diesem Kurs, an dem neben anderen Kindern nichtdeutscher Herkunft und Geflüchteten auch viele Roma-Kinder teilnahmen, wurde zusätzlich zu den artistischen Disziplinen Percussion angeboten. Am Ende des Halbjahres vereinten sich die Teilnehmenden der beiden Kurse mit ihren Darbietungen zu einer gemeinsamen Abschluss-Show.
Als besonders erfolgreich erwies sich dabei das Bündnis für Bildung des Kinder- und Jugendzirkus Berlin Treptow mit dem Campus Treptow, das verschiedene schulische und außerschulische Partner vereinigt, so die Bouché-Grundschule, die Kiefholz-Grundschule, die Röntgen-Oberschule und die Kungerkiez Initiative e.V. Das Bündnis verfolgt das gemeinsame Ziel, mittels kultureller Bildung die Persönlichkeitsentwicklung von Kindern zu fördern. Einer der Bündnispartner ist eine Schule mit Schüler*innen ausschließlich nichtdeutscher Herkunft, überwiegend aus arabischen, türkischen und rumänischen Familien; die Kungerkiez Initiative ist ein sehr aktives Nachbarschaftsbündnis, das durch seine Veranstaltungen ein breites Spektrum verschiedener Familien im Kiez erreicht und so z.B. auch Ehrenamtler mobilisiert sowie eine gute Öffentlichkeitsarbeit leistet.

Foto: Dajana Elsté

Das bundesweite Workshoptreffen „Lumière“ in Potsdam


Ein Bildungsbündnis vom Zeltpunkt Montelino, der Weidenhof Grundschule, dem Wohnheim am Nuthetal und der Grundschule im Bornstedter Feld veranstaltete 2018 ein bundesweites Workshoptreffen „Lumière“ mit 144 Teilnehmenden aus 12 Zirkussen, das sehr erfolgreich verlief. Ein solches Workshoptreffen fördert das Kennenlernen und den Austausch der Kinder und Jugendlichen aus den verschiedenen Zirkusprojekten von Zirkus macht stark, ermöglicht in gemeinsamem Training und Auftreten die Entwicklung gegenseitiger Toleranz, eine Sensibilisierung im Umgang mit anderen Kulturen und die Stärkung einer demokratisch-partizipativen Beteiligungskultur. Alle beteiligten Zirkusse arbeiten mit Kindern und Jugendlichen aus benachteiligten sozialen Zusammenhängen. Nach der Präsentation der Workshopleiter am ersten Abend gestalteten die teilnehmenden Kinder und Jugendlichen die Open Stage am zweiten Abend in vollkommener Eigeninitiative. Am letzten Abend waren dann in einer öffentlichen Abschluss-Show die Ergebnisse der Workshops zu sehen. Insgesamt bewiesen alle eine große Zuverlässigkeit und übernahmen gern die Aufgaben für die Gemeinschaft. Die ehrenamtlich Tätigen hatten sich extra für das Festival gemeldet und sind in der Regel auch in anderen Zusammenhängen schon ehrenamtlich aktiv. In den Rückmeldungen der Teilnehmer wurde grundsätzlich eine große Zufriedenheit mit den Angeboten ausgedrückt.


Foto: Pelillos Ala Mar

Die „Gauklerkids“ im ländlichen Brandenburg


Mit Förderung durch Zirkus macht stark wurden vom Bildungsbündnis des Vereins ESTA Ruppin in Neuruppin gemeinsam mit drei Schulen in Walsleben, Neustadt/Dosse und Temnitztal-Wildberg sowie dem Amt Temnitz in Walsleben im Jahr 2018 Zirkuskurse der „Gauklerkids“ in verschiedenen Orten im ländlichen Raum veranstaltet, die die Integration von Flüchtlingskindern einschlossen. Damit konnte gerade im ländlichen Raum ein attraktives, außerschulisches Angebot geschaffen werden, das Kinder und Jugendliche ganzheitlich fördert. Die Mobilität von Kindern aus sozial benachteiligten Familien schränkt sich immer mehr ein, so dass mit einer Arbeit vor Ort gegengesteuert werden muss. Die intensive Zusammenarbeit mit Partnern aus dem jeweiligen Sozialraum der Teilnehmenden war dabei ein wesentlicher Konzeptansatz. Mit den Bündnispartnern gab es eine regelmäßige Reflexion der Arbeit, eine Weiterentwicklung der Konzeption und die Entwicklung neuer Impulse für die Förderung von sozial- und bildungsbenachteiligten Kindern und Jugendlichen. Durch die Bündnispartner konnte Lobbyarbeit für das Förderprogramm „Kultur macht stark“ gemacht werden, dazu gab es auch ein erweitertes Reflexionstreffen mit weiteren Akteuren in den Sozialräumen.
Die Zirkuskurse für Kinder und Jugendliche im Alter von 7 bis 15 Jahren verbanden verschiedene zirzensische Disziplinen mit Tanz, Theater, Musik sowie einer Story-Entwicklung. Der sich wiederholende Aufbau eines Kurses bestand aus folgenden Elementen: Erwärmung, gemeinsames und individuelles Training, Gruppengespräch, gemeinsamer Auf- und Abbau. Die Trainings wurden durch Vorortteams von Sozialpädagogen, Zirkuspädagogen und Ehrenamtlichen angeleitet. Für die eingesetzten Standortleiter, Pädagogen, Trainer und Ehren¬amtlichen wurden regelmäßig zirkuspädagogische Weiterbildungen durchgeführt. Damit die Teil¬nehmenden ihre Selbstwirksamkeit wahrnehmen konnten, gehörten Auftritte bei unterschiedlichen Veranstaltungen in den Dörfern und der Kleinstadt dazu.


Foto: Kerstin Groh

Regionale Fortbildung bei MoMoLo


Das Bündnis vom Circus MoMoLo mit dem Kinder- und Jugendzentrum Klex und der Freien Bühne Jena veranstaltete 2018 neben einer Zirkuswoche „Südstern“ im einkommensschwachen Stadtteil Jena-Lobeda eine Regionale Fortbildung zu den Themen „Praktische Anleitung in Boden- und Luftartistik“ und „Clownerie, Bühnenpräsenz und Improvisationsspiele“. An der achtstündigen Fortbildung nahmen v.a. Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren von den Bündnispartnern und aus weiteren sozialen und kulturellen Einrichtungen teil. Die Teilnehmenden bekamen neben praktischem Training in einigen Disziplinen einen Einblick in die Anleitungs- und Workshoptätigkeit und wurden in der Arbeit mit bildungsbenachteiligten und/oder aus einkommensschwachen Familien kommenden Kinder sensibilisiert. Ziel der Weiterbildung war es, dass die Teilnehmenden die erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten in zukünftige Projekte der jeweiligen Einrichtungen einfließen lassen. So konnte der Nachwuchs gestärkt werden und ihm ermöglicht, als Assistenz in Zirkusprojekten mitzuwirken.
Es wurde bei der Fortbildung die Erfahrung gemacht, dass auch jüngere Teilnehmer (die jüngste Teilnehmerin war 11) sehr motiviert waren, Verantwortung zu übernehmen und in Workshops zu assistieren. Hierbei muss gut überlegt werden, wie man jüngere Menschen bei den Angeboten der Einrichtungen altersgerecht einbinden kann. Zum einen möchte man ihr Potenzial und die Motivation nutzen und fördern, zum anderen sind aber die pädagogischen Fähigkeiten noch begrenzt.


Foto: Christian Gensert

Zirkus trifft Stadtgeschichte


Zwei Zirkuskurse, deren thematischer Rahmen sich mit der Geschichte der Stadt Chemnitz beschäftigte, die in diesem Jahr ihr 875. Jubiläum feierte, wurden vom Bündnis des Don Bosco Hauses Chemnitz mit dem Förderzentrum zur Lernförderung „Johann Heinrich Pestalozzi“ und der Grundschule Sonnenberg 2018 veranstaltet. Mit den Zirkusshows wurden städtische Merkmale und biografische Charakteristika bekannter Persönlichkeiten kreativ dargeboten. Die Shows wurden als Abschluss der Kurse sehr erfolgreich vor zahlreichem Publikum vorgeführt.
Die weitaus meisten der teilnehmenden Kinder und Jugendlichen kamen aus bildungsschwachen Familien des Stadtteils Sonnenberg, aber es gab eine gute Durchmischung mit Teilnehmenden aus eher bildungsnahen Familien. Das gemeinsame Training und Auftreten der Kinder aus unterschied-lichen Milieus bot Anlass für die Auseinandersetzung mit ungewohnten Verhaltensweisen und förderte die Toleranz gegenüber unterschiedlichen sozialen Milieus.
Als günstig erwies sich, den zweiten Kurs – in Absprache mit dem Projektbüro von Zirkus macht stark – in Gruppen mit verschiedenen Terminen zu splitten. In den kleineren Trainingsgruppen zu bestimmten Disziplinen (Kugellaufen und Trapezartistik; Diabolo und Akrobatik; Einradfahren) konnte durch optimalere Trainingsbedingungen intensiver trainiert werden. Leider herrschte durch verschiedene Umstände – u.a. außerschulische Verpflichtungen, mangelnde Unterstützung durch die Familien – zum Teil eine hohe Fluktuation. Die Kurse wurden aus diesem Grund sehr offen gestaltet mit einfacheren Übungen für diejenigen, die nur sporadisch kamen, und anspruchsvolleren für die Kinder, die regelmäßig trainierten.

Foto: Zirkus Birikino

Zirkuswochen in Creglingen


Drei Zirkuswochen unter den Titeln „Alles in Balance“, „Leuchtkunst in der Manege“ und „Akrobatik –stark im Team“ wurden von einem Bündnis aus Kinder- und Jugendzirkus Blamage, Grund- und Werkrealschule Creglingen, Realschule Creglingen und Jugendhilfe Creglingen durchgeführt. Der Aufbau der Projekte bestand in einem gemeinsamen Warm-Up der Teilnehmenden, dem Training von jeweils zwei Zirkusdisziplinen ihrer Wahl aus dem Spektrum der jeweiligen thematischen Angebote und dem Abschluss mit einem gemeinsamen Spiel und einer kurzen Reflexion. Die Show der 25 Balancekünstler stand unter dem selbstgewählten Motto „Bauernhof“, die der 25 Feuerartisten unter dem Thema „Weltall“ und die Akrobaten des dritten Teilprojekts hatten sich ebenfalls für „Weltall“ entschieden.
Weil in den Schulferien in einigen der Wohnorte der Teilnehmenden keine öffentlichen Verkehrs-mittel zur Verfügung stehen, richtete die Jugendhilfe Creglingen einen Hol- und Bringdienst ein, damit alle Kinder teilnehmen konnten und ihre Familien, die kein Auto besitzen, die Vorstellungen besuchen konnten.
Die Kitakinder des Kindergartens neben dem Zirkuszelt kamen an einem Vormittag zu Besuch und konnten einen Blick hinter die Kulissen werfen und verschiedene Disziplinen ausprobieren. Somit hatte das Projekt auch Strahlwirkung über die Familien der Teilnehmenden und die Zuschauer der Shows hinaus auf Gruppen der Kindergartenkinder.

Foto: Elodie Blum